Betriebe und Verwaltungen:
Suchtprävention am Arbeitsplatz

Betriebliche Suchtprävention ist seit 25 Jahren Bestandteil moderner Personalpolitik in privaten Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen. Die Alkohol- oder Suchtprogramme haben sich hervorragend bewährt: Suchtgefährdete und suchtkranke Beschäftigte können frühzeitig auf ihr Verhalten aufmerksam gemacht und nachfolgend zur Therapie bewegt werden, wenn es erforderlich ist. Außerdem leisten die Programme einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung des Themas "Suchterkrankungen" auf allen Hierarchieebenen. In der Erweiterung, also als betriebliche Suchtpräventionsprogramme, können sie zugleich mit suchtvorbeugenden Maßnahmen einen Großteil der erwachsenen Bevölkerung  gezielt erreichen.

Deshalb sind Betriebe und Verwaltungen aufgefordert, die Aktionswoche 2011 „Alkohol? Weniger ist besser!“ für betriebliche Aktionen zur Alkoholprävention zu nutzen. Für die Informationsvermittlung werden unterschiedliche und bewährte Verteilmaterialien zur Verfügung stehen. Über Ihre Teilnahme würden wir, die Veranstalter, uns sehr freuen.

Wenn Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen und Einrichtungen der Suchtprävention und Suchthilfe aufnehmen wollen, nutzen Sie bitte folgenden Link:
» DHS Einrichtungssuche


Themen für Präventionsaktionen im Betrieb:

Punktnüchternheit bei der Arbeit –
ein Konzept zur betrieblichen Suchtprävention

"Nüchtern arbeiten, was soll das denn? Wer arbeitet denn schon unter Alkoholeinfluss?", mag sich mancher fragen. Die Antwort lautet: Mehr Beschäftigte als wir denken! Auf das Angebot eines Kollegen, beim Mittagessen in der Kantine gemeinsam ein Bier zu trinken, antwortete ein Vorgesetzter: „Lass mal lieber sein, ich habe hier eine Vorbildfunktion für den Umgang mit Alkohol, ich möchte meine Mitarbeiter nicht zum Alkoholtrinken animieren.“ Der Vorgesetzte handelte vorbildlich und setzte damit ein wichtiges Signal für eigenverantwortlichen Konsumverzicht während der Arbeitszeit.

Das Konzept der Punktnüchternheit basiert darauf, dass jeder Mensch durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Suchtmitteln Risiken vermeiden und zugleich Vorbild sein kann. Es legt nahe, in bestimmten Situationen konsequent auf Alkohol zu verzichten, zum Beispiel am Arbeitsplatz, in der Schwangerschaft, beim Medikamentengebrauch und im verantwortlichen Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Ende der 90-Jahre wurde es mit dem “Aktionsplan Alkohol“ der WHO verbreitet. Es folgt dem Prinzip, dass Alkohol, als Genussmittel eingesetzt, nicht zwangsläufig zu Abhängigkeit führt, riskanter Konsum aber schon negative Folgen haben kann.

Punktnüchternheit in der Arbeitswelt heißt: eigenverantwortlicher Konsumverzicht vor und während der Arbeitszeit, um die Arbeitsleistung und Arbeitsqualität zu sichern und die Arbeitssicherheit zu gewährleisten. Für die Umsetzung sind verbindliche Regeln und Absprachen im Betrieb sowie Gespräche mit den Beschäftigten hilfreich. In erster Linie geht es um eine Selbstverpflichtung aller Beteiligten auf der Grundlage einer innerbetrieblichen Willenserklärung. Punktnüchternheit soll Bestandteil der Betriebskultur werden.

Für die betriebliche Suchtprävention stellt das Konzept der Punktnüchternheit ein ideales Präventionsziel dar. Der Grundprinzip der Suchtprävention heißt: Verantwortliches Handeln durch Information, Aufklärung und Beratung fördern und Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Betriebliche Suchtprävention setzt sich auf diese Weise für gesunde und sichere Arbeitbedingungen und einen suchtmittelfreien Arbeitsplatz durch „Punktnüchternheit“ ein.

Vielfach ist der riskante Konsum und Missbrauch von Alkohol mit moralischen Verurteilungen, Stigmatisierungen und Reglementierungen verknüpft. Das Konzept der Punktnüchternheit entbindet uns davon, weil es nicht um Verfehlung, sondern um Verantwortung geht. Moralische Wertungen werden überflüssig, ebenso erzieherische Argumente oder gar Übergriffe in Persönlichkeitsrechte der Beschäftigten. Denn es geht nicht darum, Regelverletzungen zu ahnden und zu sanktionieren, sondern darüber zu sprechen, sich miteinander über einen verantwortungsbewussten Umgang mit Suchtmitteln am Arbeitsplatz auseinander zu setzen. Eine zentrale Rolle spielen dabei das Vorbildverhalten der Personalverantwortlichen und die aktive Unterstützung durch die Interessenvertretungen.

Punktnüchternheit ist ein Thema, dass sich hervorragend für die Aktionswoche 2011 "Alkohol? Weniger ist besser!" eignet. Einerseits kann die Diskussion mit den Beschäftigten neue Anregungen für die betriebliche Suchtprävention geben, andererseits macht es auf ein wichtiges Arbeitssicherheitsthema aufmerksam - denn vielfach sind Unfälle im Betrieb auf Alkohol- und Medikamentenkonsum zurückzuführen.

Vorschläge für Aktionen in den Betrieben

• Durchführung eines Gesundheitstags
• eines Aktionstags "Rauchfrei"
• eines Aktionstags "Alkoholfrei" mit dem Einsatz von Rauschbrillen (www.rauschbrillen.de) 
• Saftbar vor Kantinen mit Verteilung des Flyers
• Vorführung des Hoesch-Films "Zu Risiken und Nebenwirkungen - Alkohol und Arbeit" in oder vor Kantinen. Der Film ist zu beziehen bei:
Ahrens Film, Film- und Fernsehproduktion
Auf der Lieth 17 / 30880 Hannover-Laatzen
Telefon: (0)511-82 20 95
E-Mail: ahrens@ahrens-film.de , www.ahrens-film.de
• Projekte von Azubis: Was wir unseren Kollegen/Kolleginnen zu Alkohol, Drogen, Medikamente, Rauchen mal sagen wollten.

Vorschläge für die Regionalen Arbeitskreise:

"Sucht(prävention) am Arbeitsplatz"

Die Arbeitskreise sollten möglichst im Vorfeld der Suchtwoche zwischen März und Mai tagen, um den Betrieben Anregungen zu geben. Eventuell können aber auch regionale Aktionen von den Arbeitskreisen durchgeführt werden. Die Arbeitskreise haben eine wichtige Multiplikatorenfunktion in die Betriebe hinein.

Ansprechpartner/innen in den Betrieben:

Sozialberatungen, Suchtbeauftragte, nebenamtliche Ansprechpersonen für Suchtfragen, Suchtkrankenhelfer/-innen, Personalabteilungen, Betriebsärzte und Betriebsärztliche Dienste, Arbeitsicherheitsfachkräfte, Personalentwicklung, Betriebs- / Personalräte, Betriebliche Arbeitskreise Sucht und/oder Gesundheit, Betriebliches Gesundheitsmanagement

Weitere Informationen finden Sie in dem Leitfaden "Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe der DHS": » DHS Qualitätsstandards
Anregung: Schon jetzt Projektgruppen bilden!

Betriebliche, überbetriebliche und regionale Netzwerke:

(außer den Regionalen Arbeitskreisen)
• Netzwerk "HochschulNetzwerkBetriebSuchtGesundheit" der Hochschulen: » Betriebliche Sozial- und Suchtberatung
• Netzwerk "Gesundheitsfördernde Hochschulen": » gesundheit-nds.de
• Netzwerk "Deutsches Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF)" des BKK-Bundesverbands: » dnbgf.de
• Netzwerk "Rauchfrei am Arbeitsplatz": » who-nichtrauchertag.de

Externe Ansprechpartner:

Berufsgenossenschaften, Unfallkassen Bund Länder, Unfallkasse Post und Telekom, Krankenkassen (§ 20 SGB V Prävention), Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Verband betriebliche Sozialarbeit

Pressearbeit:

Gewerkschaftszeitungen, Unternehmermagazine, Manager Magazin, Deutsche Gesellschaft für Personalführung u.a.

Aktuelles

27.05.11 08:07

SWR berichtet in der "Landesschau" über die Aktionswoche

Auch der SWR produzierte für die Landesschau Rheinland-Pfalz einen längeren...

» zum Bericht

Weitere Themen und Materialien für Aktionen am Arbeitsplatz

• Risikoarmer, riskanter und schädigender Konsum von Alkohol

• Lösungsorientierte Intervention bei Suchtproblemen am Arbeitsplatz
Material: Broschüre „Substanzbezogene Störungen am Arbeitsplatz – eine Praxishilfe für Personalverantwortliche“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V. als pdf-Datei: » Broschüre Arbeitsplatz

• Rauchentwöhnung und Nichtraucherschutz
Materialien u.a. bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):
» rauchfrei-info 
» Förderung des Nichtrauchens

• Illegale Drogen
Informationen unter » drugcom.de,
Informationen und Materialien der DHS:
» Suchtstoffe: Cannabis
» Suchtstoffe: Heroin
» Suchtstoffe: Kokain
» Suchtstoffe: Amphetamine

• Essstörungen
Broschüre der Niedersächsischen Landestelle für Suchtfragen:
Ess-Störungen am Arbeitsplatz. Eine Praxishilfe für Personalverantwortliche und Kolleginnen und Kollegen, Hg.: NLS, 2004 Broschüre DIN A5, 40 Seiten 4,00 €
» Materialien der NLS

• "Fit" am Arbeitsplatz mit Hilfe von Medikamenten?
Material u. a. in der Broschüre „Substanzbezogene Störungen am Arbeitsplatz – eine Praxishilfe für Personalverantwortliche“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V. als pdf-Datei: » Broschüre Arbeitsplatz