Kein Alkohol unterwegs!

Kurzfilme

Für das erstmalige Schwerpunktthema „Kein Alkohol unterwegs!“ der Aktionswoche Alkohol 2017 wurden uns von dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) zwei Kurzfilme zur Verfügung gestellt: „Nachtschlüssel“ und „Reifenpanne“. Diese durften wir und Sie freundlicherweise für die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Aktionswoche Alkohol 2017 nutzen – weil Bilder manchmal mehr sagen als tausend Worte! Beide Videos finden Sie auch hier.

Kaum zu glauben: Erst 1953 wurde in Deutschland eine Promillegrenze für Autofahrer eingeführt. Sie lag damals bei 1,5 Promille Alkohol im Blut – obwohl man wusste, wie gefährlich Autofahren unter Alkoholeinfluss ist. Stufenweise wurde die Grenze gesenkt.

Seit 2001 liegt die Grenze bei 0,5 Promille. Wer weniger als 0,5 Promille Alkohol im Blut hat, kommt normalerweise straffrei davon. Doch Vorsicht: Wer mit 0,3 Promille Schlangenlinien fährt, leichtsinnig fährt, Fahrfehler macht oder in einen Unfall verwickelt ist, gilt als relativ fahruntüchtig und kann belangt werden. Denn: Alkohol wirkt wie ein Betäubungsmittel. Es verlängert schon ab 0,2 Promille die Reaktionszeit und steigert die Bereitschaft, riskant zu fahren.

Null Promille für Fahranfänger ung Fahranfängerinnen!

Junge Menschen sind besonders häufig an Verkehrsunfällen beteiligt. Der Grund: Sie haben wenig Fahrerfahrung, überschätzen - auch ohne Alkohol - ihre Fahrfähigkeit und sind sehr risikobereit. Deshalb gilt seit 1986 eine zweijährige Probezeit für Fahranfänger und Fahranfängerinnen. In dieser Zeit sind schon bei wenigen Verstößen Sanktionen bis hin zum Entzug der Fahrerlaubnis möglich.

Seit 2007 gilt zusätzlich eine Null-Promille-Grenze für Fahranfänger und Fahranfängerinnen, die noch in der Probezeit sind und/oder noch nicht 21 Jahre alt sind. Sie dürfen gar keinen Alkohol getrunken haben, wenn sie sich ans Steuer setzen.

  • Bis 0,5 Promille zahlen sie eine Geldbuße in Höhe von 250 Euro, wenn keine Anzeichen von Fahrunsicherheit vorliegen, dazu kommt 1 Punkt im Fahreignungsregister (FAER).

Bis 0,5 Promille - nur straffrei, wenn man erkennbar sicher fährt

Bereits bei 0,2 bis 0,3 Promille, also nach etwa einem Glas Bier oder Wein, verlängert sich die Reaktionszeit und die Risikobereitschaft nimmt zu. Bis 0,5 Promille ist Autofahren daher

  • nur dann nicht strafbar, wenn keine Anzeichen von Fahrunsicherheit vorliegen und kein Unfall passiert ist.
  • strafbar, wenn Anzeichen von Fahrunsicherheit vorliegen: 3 Punkte im Fahreignungsregister (FAER); Geld- oder Freiheitsstrafe (bis zu 5 Jahre), Führerscheinentzug (Sperrfrist 6 Monate bis 5 Jahre oder auf Dauer), mindestens aber 3 Monate Fahrverbot.

Ab 0,5 Promille verdoppelt sich das Unfallrisiko

Ab 0,5 Promille reagiert man langsamer, schätzt Geschwindigkeiten falsch ein und ist risikobereiter. Die Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden, ist dann doppelt so hoch wie im nüchternen Zustand. Wer ist diesem Zustand noch Auto fährt, handelt ordnungswidrig und kann sich strafbar machen.

  • Geldbuße und Fahrverbot, wenn keine Anzeichen von Fahrunsicherheit vorliegen. Erstverstoß: 2 Punkte, 500 Euro Geldbuße, 1 Monat Fahrverbot,
    Zweitverstoß: 2 Punkte, 1.000 Euro Geldbuße, 3 Monate Fahrverbot.
    Weiterer Verstoß: 2 Punkte, 1.500 Euro Geldbuße, 3 Monate Fahrverbot.
  • strafbar, wenn Anzeichen von Fahrunsicherheit vorliegen:
    3 Punkte im Fahreignungsregister (FAER); Geld- oder Freiheitsstrafe (bis zu 5 Jahre),  Führerscheinentzug (Sperrfrist 6 Monate bis 5 Jahre oder auf Dauer)
  • strafbar, wenn es zu einem Verkehrsunfall kommt:
    3 Punkte im FAER; Geld- oder Freiheitsstrafe (bis zu 5 Jahre), Führerscheinentzug (Sperrfrist 6 Monate bis 5 Jahre oder auf Dauer), Schadensersatz, Schmerzensgeld und eventuell Rente an Unfallopfer.

Wer mit 1,1 Promille Auto fährt, macht sich immer strafbar

Je mehr Alkohol ein Fahrer oder eine Fahrerinnen getrunken haben, desto mehr Fehler machen sie. Sie fahren zu schnell, fahren Schlangenlinien, machen riskante Überholmanöver und neigen dazu, viele Personen mitzunehmen.

Ab 0,8 Promille steigt das Unfallrisiko steil an. Bei 1,1 Promille ist es zehn Mal so hoch wie im nüchternen Zustand. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass dann niemand noch sicher fahren kann und hat deshalb 1,1 Promille als Grenzwert für absolute Fahruntüchtigkeit festgelegt. Wer trotzdem Auto fährt, handelt grob fahrlässig, weil er sich und andere gefährdet. Er macht sich strafbar.

  • strafbar, wenn keine oder Anzeichen von Fahrunsicherheit vorliegen: 3 Punkte im Fahreignungsregister (FAER); Geld- oder Freiheitsstrafe (bis zu 5 Jahre), Führerscheinentzug (Sperrfrist 6 Monate bis 5 Jahre oder auf Dauer)
  • strafbar, wenn es zu einem Verkehrsunfall kommt: 3 Punkte im FAER; Geld- oder Freiheitsstrafe (bis zu 5 Jahre), Führerscheinentzug (Sperrfrist 6 Monate bis 5 Jahre oder auf Dauer), Schadensersatz; Schmerzensgeld und eventuell Rente an Unfallopfer

Die gute Nachricht vorweg: In den vergangenen 40 Jahren ist die Zahl der Alkoholunfälle kontinuierlich gesunken. Trotzdem wurden im Jahr 2015 noch immer rund 16 700 Menschen bei einem Alkoholunfall verletzt, 256 Menschen starben.

Das heißt: Etwa jeder 14. Verkehrstote stirbt, weil ein Verkehrsteilnehmer zu viel Alkohol getrunken hat. Alkoholunfälle sind überdurchschnittlich schwer. Sie bringen viel Leid. Und sie müssten nicht sein.

Jüngere Männer überschätzen sich

Es sind vor allem junge Männer, die trotz Alkoholkonsums das Auto nicht stehen lassen können. Sie gehen häufig aus und trinken Alkohol in Discos, Kneipen oder auf Partys. Gleichzeitig überschätzen sie ihre Fahrfähigkeit und sind risikobereiter.

Die Folge: Alkoholisierte Männer im Alter von 21 bis 25 Jahren sind mit Abstand am häufigsten an Unfällen mit Personenschaden beteiligt. Mit zunehmendem Alter werden es kontinuierlich weniger.

Merklich seltener sind männliche Fahranfänger von 18 bis 20 Jahren an einem Alkoholunfall beteiligt. Das muss nicht wundern: Sie dürfen überhaupt keinen Alkohol trinken, wenn sie noch fahren wollen. Tun sie es dennoch, dann verursachen sie schon bei vergleichsweise niedrigen Promillewerten schwere Unfälle.

Am Wochenende passieren die meisten Alkoholunfälle

Gemessen an ihrer Gesamtzahl passieren die meisten Unfälle mit Personenschaden an Werktagen, wenn die Straßen voll sind, besonders häufig am Spätnachmittag. Bei Alkoholunfällen ist es umgekehrt: Über die Hälfte aller alkoholbedingten Unfälle geschehen am Wochenende, wenn die Straßen leer sind: abends, nachts oder am frühen Morgen.

So ereigneten sich die meisten Unfälle von 18- bis 24-Jährigen nach der Disco, von 25- bis 34-Jährigen nach einem Kneipenbesuch.

Beifahrende erhöhen bei jungen Leuten das Unfallrisiko

Statistisch gesehen sehen verringern Beifahrer das Unfallrisiko. Bei jungen Fahrern ist das nicht so. Vermutlich lassen sie sich vom Beifahrer ablenken. Wenn sie Alkohol trinken, beeinträchtigt das ihre Reaktionssicherheit zusätzlich. Bei 0,8 Promille ist eine Fahrt mit Beifahrer um das 2,5fache gefährlicher als eine Fahrt alleine.

„Ich fahre Fahrrad statt Auto, dann kann ich trinken.“ So denken viele. Dabei blenden sie aus, dass auch Fahrradfahrende gefährliche Fehler machen, wenn sie getrunken haben. Besonders ihr Reaktionsvermögen ist deutlich eingeschränkt.

Die Folgen sind dramatisch: Jeder vierte Alkoholunfall, bei dem mindestens eine Person verletzt wird, wird durch Fahrradfahrende verursacht. Ohne schützende Karosserie sind sie stark gefährdet, verletzt zu werden – besonders an Armen, Beinen und am Kopf.

Unfall mit 1,1 Promille im Blut

Bei Straßenverkehrsunfällen, an denen alkoholisierte Personen beteiligt sind, stehen Fahrradfahrende direkt nach den Pkw-Fahrern an zweiter Stelle. Dabei sind alkoholisierte Radfahrende, die in einen Unfall verwickelt sind, fast immer mit einem Alkoholwert über 1,1 Promille im Blut unterwegs. Bei diesem Wert gelten PKW-Fahrende als absolut fahruntüchtig. Sie machen sich strafbar, weil man davon ausgeht, dass niemand bei dieser Menge Alkohol noch sicher fahren kann.

Auch Radfahrende machen bereits ab 0,8 Promille grobe Fahrfehler. Das ergab eine Studie der Unfallforschung der Versicherung und des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Düsseldorf. Ab 1,0 Promille nehmen die Fehler dramatisch zu.

Trotzdem gelten Radfahrende erst ab 1,6 Promille als absolut fahruntüchtig. Sogar diese Grenze überschreiten die meisten: Noch die Hälfte der alkoholisierten Radfahrenden, die an einem Unfall beteiligt waren, hatte über 1,6 Promille Alkohol im Blut.

Alkoholisierte Radfahrer sind meist im mittleren Alter

Auch das ist anders als bei Alkoholunfällen mit PKW: Radfahrende, die alkoholisiert in einen Unfall verwickelt sind, sind älter. Den höchsten Anteil haben die Altersgruppen zwischen 35 und 54 Jahren.

Pöbelnde Fahrgäste, verbale und tätliche Angriffe, Beschädigung von Sacheigentum - solche Delikte in öffentlichen Verkehrsmitteln hängen eng mit Alkoholkonsum zusammen. Allein im Jahr 2015 registrierte die Deutsche Bahn 12.500 Fälle von Körperverletzungen und rund 10.000 Delikte im Zusammenhang mit Vandalismus.

Gemessen an der Zahl von 7,5 Millionen Fahrgästen täglich ist diese Zahl gering. Dennoch: Alkoholisierte Fahrgäste, die in öffentlichen Verkehrsmitteln Party feiern, Flaschenmüll zurücklassen oder gar aufdringlich bis gewalttätig werden, sind unangenehm für alle Mitfahrenden und beeinträchtigen ihr Sicherheitsgefühl.

Randale in der Luft

Auch Fluggesellschaften müssen immer öfter und bestimmter auf alkoholisierte Passagiere reagieren. So stellt die International Air Transport Association fest, dass im Jahr 2015 knapp 11.000 Menschen an Bord randalierten. In 23 % der Fälle spielten Alkohol oder andere Drogen eine Rolle.

Einige Verkehrsbetriebe verbieten Alkohol

  • Die Düsseldorfer Rheinbahn und die Kölner Verkehrsbetriebe verhängten bereit 2007 ein Ess- und Trinkverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln – Alkohol inbegriffen.
  • Der Verkehrsverbund Stuttgart hat seit 2008 den Konsum von Alkohol in seinen Bussen und Bahnen verboten. Damit reagierte der Verbund auf Beschwerden von Fahrgästen, die durch laute Trinkgelage und leere Flaschen belästigt fühlten.
  • 2009 zog das norddeutsche Eisenbahnverkehrsunternehmen metronom mit einem Alkoholverbot nach.
  • Seit 2011 darf allen Bahnen und Bussen des Hamburger Verkehrsbetriebes kein Alkohol mehr getrunken werden. Auch in den Münchner S-Bahnen gilt seither ein Verbot.
  • 2012 setzte die Deutsche Bahn der Party im Nürnberger Hauptbahnhof ein Ende. Dort hatten sich an Wochenende Hunderte zum Feiern getroffen. Nun ist Alkoholkonsum an Wochenenden und vor den Feiertagen untersagt.

Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt. Im Gegenteil: Wer unter Alkoholeinfluss unterwegs ist, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

Wer sorglos feiern will, entscheidet vor der Party, ob er auf Alkohol verzichtet oder das Auto oder Fahrrad stehen lässt. Gastgebende und Beifahrende sollten nicht weggucken. Wenn Sie klar handeln, schützen Sie sich und andere.

Tipps für Gastgeber

  • Wer um Mineralwasser oder Saft bittet, ist keine Spaßbremse. Er trinkt nur keinen Alkohol. Nötigen Sie niemand, Alkohol zu trinken – auch wenn Sie meinen, dass zum Tapas-Teller nur der spanische Rotwein schmeckt. Frisch gepresster Orangensaft passt genauso gut.
  • Bieten Sie Ihren Gästen immer auch alkoholfreie Getränke an – Mineralwasser, exotische Fruchtsäfte, Soft Drinks. Tipp: Tomatensaft passt zu fast allen warmen Gerichten.
  • Halten Sie die Rufnummer für ein Taxi bereit. Und suchen Sie im Internet die Abfahrtzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel heraus. Bieten Sie Gästen, die weiter entfernt wohnen, ein Gästebett oder eine andere Übernachtung an.
  • Versuchen Sie zu verhindern, dass ein fahruntüchtiger Gast Auto fährt. Sie schützen dadurch ihn und andere Verkehrsteilnehmer. Wenn gutes Zureden nicht fruchtet, suchen Sie sich Verbündete unter Ihren Gästen und rufen Sie ein Taxi. Gemeinsam wird es Ihnen gelingen, den alkoholisierten Gast in das Taxi zu setzen.

Tipps für Autofahrer

  • Treffen Sie die Entscheidung, ob Sie mit dem Auto zurückfahren werden, bevor Sie Ihr Haus verlassen. Dann wissen Sie, dass Sie keinen Alkohol trinken können. Wenn Sie unschlüssig sind, lassen Sie den Wagen gleich zuhause stehen und benutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel.
  • Wenn Sie zu mehreren unterwegs sind: Klären Sie vor der Party, wer fährt. Diese Person muss nüchtern bleiben.
  • Lassen Sie sich während des Abends keinen Alkohol aufdrängen. Jedes Glas vermindert die Fahrtüchtigkeit.
  • Klären Sie vorsichtshalber, wie sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause kommen. Dafür reichen drei Klicks im Internet. Und stecken Sie genügend Geld für eine Taxifahrt ein.

Tipps für Beifahrer

  • Steigen Sie nicht ins Auto, wenn Sie nicht sicher sind, ob der Fahrer oder die Fahrerin noch fahrtüchtig ist. Schon ein Glas Bier oder Wein verlangsamt die Reaktionen. Sie sind nicht kleinlich sondern klug, wenn Sie nur mit nüchternen Fahrern mitfahren wollen.
  • Treffen Sie klare Absprachen zu Beginn des Abends. Es ist sinnlos, mit bereits Angetrunkenen zu diskutieren. Sie überschätzen ihre Fahrtauglichkeit.
  • Nehmen Sie sicherheitshalber Geld für ein Taxi mit. Oder informieren Sie sich rechtzeitig im Internet über die Abfahrtszeiten der öffentlichen Verkehrsmittel.

Tipps für Fahrradfahrer

  • Das Fahrrad sollte kein Ersatz sein, nach dem Motto: Ich lass das Auto stehen und fahre mit dem Rad - dann kann ich trinken! Bedenken Sie, dass Sie ab 1,6 Promille ihre Fahrerlaubnis verlieren können und sich einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung unterziehen müssen.
  • Nehmen Sie auch als Fahrradfahrer sicherheitshalber Geld für ein Taxi mit oder schauen Sie nach den Abfahrtszeiten der öffentlichen Verkehrsmittel im Vorfeld nach.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Factsheet zum Thema „Alkohol und Straßenverkehr“.

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