Selbsthilfe

- Wer hier Platz nimmt, hat erkannt, dass Selbsthilfegruppen die Chance auf ein neues Leben eröffnen - und nutzt aktiv diese Chance.
Wo der Mensch mit seinen Stärken im Mittelpunkt steht: Selbsthilfegruppen bieten Hilfe zur Selbsthilfe
Selbsthilfe- und Abstinenzorganisationen für Betroffene und ihre Angehörige gibt es schon viel länger, als man vielleicht annehmen möchte. Der Kreuzbund zum Beispiel, der seinen Ursprung in der katholischen Kirche hat, wurde 1896 von Pfarrer Joseph Neumann in Aachen gegründet. In der Tradition der Mäßigkeits- und Abstinenzbewegung wirkte der Verband dem damals weit verbreiteten Elendsalkoholismus entgegen.
Auch die Guttempler, die in Deutschland über eine gut organisierte und funktionierende Suchtselbsthilfe verfügen, blicken auf eine lange Geschichte zurück. Als „Independent Order of Good Templars“ wurde die internationale Organisation 1851 in den USA begründet, die Guttempler in Deutschland gibt es seit 1889. Das Blaue Kreuz wiederum wurde 1877 in Genf ins Leben gerufen, im Jahre 1885 dann gründete Pfarrer Arnold Bovet den ersten deutschen Blaukreuzverein in Hagen/Westfalen.
Darüber hinaus gibt es weitere Selbsthilfegruppen, von denen Ihnen vielleicht auch die Anonymen Akoholiker bekannt sind. Diese existieren seit 1935, also drei Jahre nach Abschaffung der Prohibition in Amerika.
Selbsthilferganisationen und -gruppen eröffnen Alkoholkranken die Chance auf ein unabhängiges Leben. Hier lernt man, seine Schwierigkeiten und Probleme zu bewältigen, offen über seine Sorgen zu sprechen und Krisen zu meistern. Aber auch Partner, Kinder, Eltern und Freunde von Betroffenen sind in Selbsthilfegruppen willkommen. In welcher Lebenslage auch immer man ist – dort findet man ein offenes Ohr.
Selbsthilfegruppen sind also für Menschen da, denen es genau so geht wie Ihnen. Wer erkennt, dass er nicht alleine ist mit seinem Problem, erfährt damit bereits die erste Rückenstärkung.
Nicht jeder Alkoholkranke benötigt eine stationäre Entwöhnungsbehandlung, vielen verhilft bereits der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe in ein neues Leben ohne Alkohol. Nach einer ambulanten oder stationären Therapie ist der Besuch einer Selbsthilfegruppe von größter Wichtigkeit, um die Abstinenz zu stabilisieren und Rückfällen vorzubeugen.

- Auch bei einem Rückfall fängt einen die Gruppe auf.
Keine Sorge: Alles, was innerhalb der Gruppentreffen zur Sprache kommt, ist und bleibt vertraulich. Der Einzelne wird als der wertgeschätzt, der er ist, alle Gruppenmitglieder sind Gleiche unter Gleichen und haben ein gemeinsames Ziel – sich im gemeinschaftlichen Gespräch selber zu helfen und zu entwickeln.
Im Mittelpunkt steht immer der Mensch mit seinen Stärken und Fähigkeiten. Und man zieht an einem Strang: Ganz von selber ergeben sich durch die regelmäßige Teilnahme an den Gruppentreffen neue soziale Kontakte, die einen stabilisieren. Gemeinsame Freizeitaktivitäten gehören oft zum Programm und verbessern das „neue“ alkoholfreie Lebensgefühl noch weiter. Auch Rückfälle und Krisen fängt die Gruppe auf.
Selbsthilfegruppen gibt es in jeder Stadt, in jeder Region und sind für alle offen. Manche haben spezielle Schwerpunkte (zum Beispiel Männer oder Frauen, alte oder junge Menschen, Alkoholabhängige oder Angehörige), alle jedoch gestalten ihre Gesprächskreise und Aktivitäten individuell. Maßstab sind die Bedürfnisse der jeweiligen Gruppenmitglieder. Die meisten Selbsthilfegruppen treffen sich einmal pro Woche abends, die Teilnahme ist üblicherweise kostenlos.
Übrigens: Wenn Sie nicht in eine Gruppe gehen möchten/können, sondern den Austausch über das Internet bevorzugen, können Sie auch über Chats Kontakt zu anderen Betroffenen aufnehmen: A-Connect ist eine Plattform für Menschen mit Alkoholproblemen und deren Angehörige (» www.a-connect.de/chat.php)



