Jörn Schlönvoigt im Interview


"Der Spaßfaktor beim Feiern ist ohne Alkohol viel, viel größer!"

Als der 23-Jährige Schauspieler im Rahmen der Aktionswoche Alkohol gefragt wurde, ob er denn bereit sei, bei einer Charity-Auktion bei ebay mitzumachen, deren Erlös in die Alkoholprävention fließen solle, sagte er sofort zu. Ob der Gewinner vielleicht ein Treffen mit ihm, dem umschwärmten Soap-Star, in Babelsberg und vielleicht einen Besuch der Filmstudios gewinnen könne?
Da winkte er ab. Er hatte eine ganz andere, bessere Idee für ein sogenanntes „Meet & Greet“. Hier also das himmlische Angebot, das Jörn Schlönvoigt der Aktionswoche Alkohol machte:

Herr Schlönvoigt, Sie sind einer der jüngsten Piloten Deutschlands. Sie fliegen Hubschrauber, einmotorige Flugzeuge und besitzen darüber hinaus auch die Kunstfluglizenz. Wie heiß ist Ihr Preis?

Der Preis ist vielmehr luftig! Ich biete dem Gewinner der ebay-Auktion an, mit mir abzuheben. Im Hubschrauber oder im Flugzeug. Der Gewinner oder die Gewinnerin kann mit mir in die Luft gehen und wir drehen eine schöne Runde über Berlin.

Wird das dann ein normaler Rundflug oder eher die Variante für Mutige, also Looping inbegriffen?

Ich lasse mich gern überraschen, worauf derjenige Lust hat! Tendenziell würde ich schon sagen, dass die Flugumstände in einem Flugzeug angenehmer sind. Vom Hubschrauber rate ich bei Menschen, die noch gar keine oder wenig Flugerfahrung haben, eher ab. Das geht schnell mal in die Tüte... In einem Flugzeug dagegen hat man eine Bewegungsachse von 360 Grad. Deswegen schlage ich vor, entweder fliegt der Sieger ganz „normal“ mit mir zusammen, oder man ist ganz mutig, hebt mit mir ab und fliegt ein paar Loopings und Rollen – und wird dabei einen Heidenspaß haben! Wenn die Welt sich kugelt, dann vergisst man wirklich alles um sich herum. Das ist richtig schön, um den Kopf freizukriegen.

Stichwort freier Kopf – herrscht bei Piloten eigentlich die Null-Promille-Grenze?

Unbedingt. So wie mein Kumpel Rico, der Straßenbahnfahrer ist, am Morgen einen Alkoholtest machen muss, so gibt es auch Stichprobenkontrollen bei den verschiedenen Airlines. Und wenn ich als Kapitän merke, dass mein Co-Pilot was getrunken hat, dann war das sein letzter Arbeitstag. Piloten sind verantwortlich für so viele Menschenleben, es sind ja nicht nur die 200 Menschen, die hinter ihnen im Flugzeug sitzen, es sind ja auch ein paar hundert Menschen, die durch einen Absturz zum Beispiel unverschuldet in den Tod gerissen werden könnten. Und diese riesengroße Verantwortung bedarf auch ganz einfach Disziplin. Ohne diese ist man als Pilot nicht geeignet. Wenn ich am nächsten Tag ins Cockpit steige, trinke ich am Abend zuvor keinen Alkohol, Punkt.

Eine Party ohne Alkohol, wie finden Sie das?

Ganz einfach: Der Spaßfaktor beim Feiern ist ohne Alkohol viel, viel größer! Ich bin nicht der große Partymensch, aber wenn ich mal weggehe, dann trinke ich entweder ganz wenig Alkohol oder gar keinen. Erstens kann man am nächsten Morgen leicht aufstehen und fühlt sich nicht wie von einem großen LKW überfahren. Außerdem zerstört Alkohol wichtige Zellen in unserem Körper und macht, das ist ja bewiesen, auch dumm. Wenn ich diese Faktoren zusammenrechne, dann kommt unterm Strich bei mir raus: Keinen Alkohol zu trinken ist für mich besser. Ich habe dann einfach was vom nächsten Tag! Wenn ich mit einem Freund telefoniere und der sagt, ach, ich war feiern und habe Kopfschmerzen, heute kann ich mich nicht mit dir treffen, dann frage ich mich doch: Und das alles für drei Stunden Party? Warum? 

Meistens bringt es mir gar nichts, abends Alkohol zu trinken. Ich habe dann einen langen Tag hinter mir und am nächsten Tag viel zu tun – wenn ich dann etwas trinke, komme ich ja gar nicht mehr auf die Beine.

Ist alkoholfreies Bier für Sie eine Option?

Na ja, Bier kann ich nicht ausstehen. Mal einen Sekt mit Orangensaft zu trinken, das kann ich mir vorstellen. Es geht ja nicht darum, Alkohol zu verbieten, es geht darum, zu wissen, dass Alkohol gefährlich ist und viele Nebenwirkungen hat, die die eigene Zukunft beeinträchtigen. Man baut sich selber Schranken durch Alkoholkonsum übermäßiger Art.

Schranken welcher Art?

Es wird ja teilweise nicht nur einmal am Wochenende gesoffen, sondern auch während der Woche. Das hat nicht nur gesundheitliche Folgen, sondern auch auf die Schule und das ganze Leben. Ich glaube, für diejenigen, die richtig viel Spaß am Alkohol haben, ist das Trinken ein Hobby. Das ziehen die dann konsequent am Wochenende durch, das heißt, den Sonntag und den Montag kann man schon mal vergessen. Mit einem Kater kann man weder aufmerksam lernen noch arbeiten. Verständlicherweise verschlechtern sich dann die Noten, denn auch die Energie kommt abhanden, vernünftig in der Schule aufzupassen. Natürlich gibt es auch genügend Gegenbeispiele: Jugendliche, die am Freitag feiern gehen, sich am Samstag ausruhen und dann am Sonntag für die Schule vorbereiten.

Trinken als Hobby, ist das nicht langweilig? Welche Motivation steckt dahinter?

Also, zum einen gibt es für diese Menschen kein richtiges Hobby. Sie haben nie gelernt, sich selber zu beschäftigen. Es ist also etwas ganz Großes, wenn sie am Wochenende feiern können, ihre Freunde treffen und abschalten. Und manche Eltern können es ihren Kindern gar nicht anders beibringen, weil sie entweder selber viel Alkohol trinken oder kein Interesse an der Erziehung ihrer Kinder haben. Das ist also vielleicht auch manchmal ein Schrei nach Aufmerksamkeit: Mama, schau doch mal her, ich komme jeden Tag betrunken nach Hause, warum bekomme ich keine Aufmerksamkeit von dir?

Und dann gibt es natürlich noch dieses Gruppenverhalten – wer während der Schulzeit nicht mittrinkt, ist nicht cool und wird fast automatisch zum Außenseiter. Und weil ich eben die ganzen Partys nicht mitgemacht habe, war ich in keiner Weise cool. Es gab bei mir mal eine Phase, in der ich ab und zu am Wochenende etwas mehr Alkohol trank – da hatte ich tatsächlich mehrere „Freunde“. Aber es war alles sehr oberflächlich. Die meiste Zeit war ich also der glückliche und zufriedene Außenseiter.

Ihre eigene Schulzeit ist ja noch nicht so lange her – wie ging es an Ihrer Schule zu?

Da wurde auch wochentags Alkohol getrunken. Man setzte sich nachmittags an den Strand und zischte ein Bier zusammen, einige fingen dann auch an zu kiffen. Auf meinem Schulhof wurde ja sogar gedealt! Wirklich erschreckt haben mich Schulkameraden, die zum Beispiel am Dienstag auf eine Party gingen und am Mittwoch noch immer total betrunken zur Schule kamen. Die Lehrer bekamen das nicht mit, die waren darauf nicht geschult oder ignorierten es. Was sollten die auch machen, wenn ein Schüler sagte: Ich habe nicht getrunken, mir ist nur ein bisschen schwindelig, ich will aber trotzdem im Unterricht bleiben? Soll der Lehrer dann sagen, du hast eine Fahne, du lügst? Das überschreitet auch dessen Kompetenzen.

Ich habe mitbekommen, dass es in Köpenick, wo ich aufgewachsen bin, mit dem Alkoholkonsum und auch ganz allgemein mit dem Drogenkonsum schlimmer geworden ist, seitdem unsere Jugendclubs reihenweise geschlossen werden. Wenn die Kids am Nachmittag ihre Hausaufgaben gemacht haben, gibt es keine Anlaufstellen mehr für sie. Da ist zum einen der „Würfel“, ob das „abc“ noch offen hat, weiß ich nicht – ein bisschen wenig an Beschäftigungsmöglichkeit für die vielen Schüler, die in Köpenick leben, oder? Und die Fußball- und Sportvereine sind meistens zu teuer für die Eltern. Vielleicht sollte man den Kids mehr entgegenkommen, was das Freizeitangebot angeht, dann braucht man sich da auch nicht mehr so viele Sorgen zu machen.

Sie kochen gern. Was bekommen Freunde zu trinken, die bei Ihnen zu Gast sind?

Ich koche durchschnittlich viermal in der Woche, allerdings oft zu unmenschlichen Zeiten. Wenn ich Gäste empfange, dann gibt’s bei mir keinen Alkohol, weil ich von allein gar nicht auf die Idee komme, Alkohol zu kaufen. Üblicherweise trinkt man bei mir Leitungswasser oder frisch gepresste Säfte. Ich habe immer sehr viel Obst zuhause und mache die Säfte selber. Die kommen viel besser an als Rotwein! Wenn ein Freund aber sagt, er hätte lieber Wein zum Essen, dann besorge ich den gern, gar kein Problem. Nur wenn ich merke, jemand schießt sich total ab in meiner Wohnung und kann kaum noch geradeaus laufen, dann überlege ich es mir beim nächsten Mal, wieder Alkohol auf den Tisch zu stellen. Das kann ich einfach nicht leiden, wenn da vier Leute am Tisch sitzen und einer ist sturzbetrunken.

Nehmen Sie dem Freund dann auch den Autoschlüssel weg?

Ja, sicher. Ich würde sogar das Taxi bezahlen, wenn er meint, er habe kein Geld dabei. Weil ich nicht einsehe, dass irgendjemand da draußen Leben gefährdet.

Wie kann man Jugendlichen vermitteln, dass es uncool ist, sich am Wochenende mehrmals zu betrinken?

Ich bin mit meinen 22 Jahren noch sehr nah dran an den Leuten, die in die zehnte oder achte Klasse gehen, und würde Jugendlichen, die ich morgens um 5 betrunken an irgendeiner Bushaltestelle sehe, nur abraten, das jedes Wochenende zu machen. Man kann mal ein Auge zudrücken, aber es gibt Grenzen. Und ich habe selber gesehen, welche beruflichen Folgen exzessives Trinken während der Schulzeit haben kann. Da gab es einen, der hatte einen Notendurchschnitt von 2,0 und hätte locker die Beamtenlaufbahn geschafft. Er schrieb dann aber immer Sechsen, weil er so oft betrunken zur Schule kam und so viele Fehltage hatte, und ging dann schließlich als Klassenschlechtester von der Schule. Nun jobbt er irgendwo im Einzelhandel und räumt Ware ein – und bleibt damit weit unter seinen Möglichkeiten. Das finde ich so traurig. Der hat sich auch mehr vorgestellt vom Leben. Damals in der Schule war das einer von denen, die jeden zum Langweiler abstempelten, die nicht mittranken, und heute sagt er zu mir: „Ey Schlöni, du hast es richtig gemacht. Du hast auf dich aufgepasst, du hast dich nicht verleiten lassen. Und für mich ist es jetzt sowieso zu spät, ich komm nicht mehr raus.“
Da halte ich dagegen: Nein, es ist nie zu spät! Man hat immer die Möglichkeit, sich weiterzubilden und hochzuarbeiten, aber man muss es wirklich wollen, man muss motiviert sein und sein Leben anpacken! Und auch ich habe nicht alles richtig gemacht. Aber eins habe ich wirklich immer versucht: Gas zu geben, dran zu bleiben am Ball und mich nicht zu sehr verleiten zu lassen.

Betreiben Sie Sport, um fit und Ihrem umfangreichen Tagespensum gewachsen zu sein?

Zum einen mache ich Krav Maga, das ist ein israelischer militärischer Selbstverteidigungssport. Bei diesem Nahkampftraining lernt man, mit Angriffen aller Art und aus allen Richtungen umzugehen, also zum Beispiel jemanden abzuwehren, der mit dem Messer aus einen losgeht. Das ist sehr intensiv und sehr anstrengend, fördert aber auch die Leistungsfähigkeit des Kopfes und die Reaktionsschnelligkeit. In Gefahrensituationen einen kühlen Kopf bewahren zu können, ist ja auch beim Fliegen wichtig, wenn man im Cockpit sitzt. Die Tür ist zwar mit einem Code gesichert, aber wenn einer Böses plant und vorhat, ins Cockpit vorzudringen, dann kommt der da auch rein. Es ist ein schönes Gefühl, dass man sich verteidigen könnte. Ich gehe auch regelmäßig joggen und mache dazu noch ganz leichtes Gerätetraining – also ich bin schon viel unterwegs, was Sport angeht...

Sie haben bereits die Lizenz für Hubschrauber, für einmotorige Flugzeuge und die Kunstfluglizenz. Was ist als Nächstes dran?

Der Airbus! (lacht) Direkt neben mir liegt der Ordner „Instrumente“, und den gehe ich gerade durch, bin also fleißig beim Lernen. Ich versuche zu lernen, wann immer ich Zeit habe, denn in den nächsten Monaten steht die theoretische Prüfung für die Verkehrsfliegerlizenz an. Ich bin sehr aufgeregt und voller Vorfreude auf die praktische Seite, die mich dann erwartet. Die praktische Seite ist ja nicht nur beim Führerschein das Schönste, sondern auch in der Fliegerei.

(Interview: © K. Hartig)

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